Beim Frühstück kurz auf das Smartphone schauen, tagsüber am Laptop arbeiten und abends noch eine Serie ansehen. Unsere Augen sind heutzutage viele Stunden im Einsatz. Kein Wunder also, dass müde, trockene oder brennende Augen und Schwierigkeiten beim Scharfstellen bei längerer Bildschirmarbeit häufig vorkommen.
Doch Bildschirme sind nur ein Teil der Geschichte. Auch das Älterwerden stellt unsere Augen vor Herausforderungen. Und obwohl Sie bei Augengesundheit vielleicht vor allem an eine gute Sonnenbrille und regelmäßige Bildschirmpausen denken, spielt auch das, was auf Ihrem Teller liegt, eine interessante Rolle.
Ihre Augen leisten Überstunden
Im hinteren Teil Ihres Auges liegt die Netzhaut, eine hauchdünne Schicht, die Licht aufnimmt und in Signale umwandelt. Diese verarbeitet Ihr Gehirn anschließend zu einem Bild. Besonders der zentrale Bereich, die Makula oder der gelbe Fleck, ist für scharfes Sehen und das Erkennen feiner Details wichtig.
Die Netzhaut mag zwar klein sein, doch ihr Verbrauch ist enorm. Sie gehört zu den aktivsten Geweben unseres Körpers und benötigt viel Energie und Sauerstoff. Außerdem ist sie ein Leben lang Licht ausgesetzt. Dabei können reaktive Substanzen entstehen, die die Zellen der Netzhaut schädigen können. Glücklicherweise verfügt das Auge selbst über verschiedene Schutzmechanismen. Und hier kommen auch Nährstoffe ins Spiel.
Eine Sonnenbrille von innen?
Vitamin A ist wohl das bekannteste Vitamin für die Sehkraft. Es wird für die Bildung von Rhodopsin benötigt, einem lichtempfindlichen Pigment in der Netzhaut, das uns hilft, bei schwachem Licht zu sehen. Auch DHA spielt eine wichtige Rolle. Diese Omega-3-Fettsäure, die unter anderem in fettreichem Fisch vorkommt, ist für die Struktur und Funktion der Netzhaut wichtig und trägt zur Erhaltung einer normalen Sehkraft bei. Doch es gibt noch weitere interessante Substanzen. Zum Beispiel Lutein und Zeaxanthin. Diese natürlichen Farbstoffe gehören zu den Carotinoiden und kommen unter anderem in grünem Blattgemüse, Mais, Eigelb und verschiedenen Obstsorten vor.
Im Auge finden sich Lutein und Zeaxanthin vor allem in der Makula. Dort bilden sie zusammen mit Meso-Zeaxanthin das sogenannte Makulapigment. Dieses Pigment wirkt wie ein natürlicher Lichtfilter: Lutein und Zeaxanthin absorbieren einen Teil des blauen Lichts, das ins Auge gelangt, und besitzen zudem antioxidative Eigenschaften. Eine echte Sonnenbrille ersetzt das natürlich nicht. Dennoch ist es interessant zu wissen, dass Ihre Augen über einen eigenen eingebauten Lichtfilter verfügen!
Belastung durch blaues Licht
Und wie steht es um das blaue Licht unserer Bildschirme? In experimentellen Untersuchungen kann blaues Licht in ausreichend hoher Dosis Schäden an Netzhautzellen verursachen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dasselbe passiert, wenn Sie auf Ihr Smartphone oder Ihren Laptop schauen. Für Schäden an der menschlichen Netzhaut durch das blaue Licht von Bildschirmen bei normaler Nutzung gibt es bislang keine überzeugenden Belege. Langes Schauen auf einen Bildschirm kann allerdings zu müden oder trockenen Augen und Schwierigkeiten beim Scharfstellen führen. Das hängt unter anderem mit der anhaltenden Sehanstrengung und seltenerem Blinzeln zusammen.
Von der Heidelbeere bis zur Mikroalge
Auch verschiedene andere Substanzen werden aufgrund ihres möglichen Einflusses auf die Sehfunktion untersucht.
So verdankt die wilde europäische Heidelbeere ihre tiefblaue Farbe den Anthocyanen. Das sind natürliche Farbstoffe, die zu den Flavonoiden gehören. In verschiedenen klinischen Studien wurde untersucht, ob ein standardisierter Heidelbeerextrakt beispielsweise die Augenermüdung, die Fähigkeit zum Scharfstellen, die Pupillenreaktion und die Tränenproduktion beeinflusst. Die Ergebnisse sind interessant: So wurden nach längerer Bildschirmarbeit Veränderungen bei bestimmten objektiven Messgrößen für das Scharfstellen festgestellt. In diesen Studien wird häufig ein standardisierter Heidelbeerextrakt mit einer genau festgelegten Menge an Anthocyanen verwendet. Die Forschungsergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf den Verzehr einer Handvoll Heidelbeeren übertragen.
Eine weitere bemerkenswerte Substanz ist Astaxanthin, ein rotes Pigment, das von Mikroalgen gebildet wird. Über die Nahrungskette gelangt es beispielsweise in Lachs, Forellen und Garnelen und trägt zu deren rötlicher Farbe bei. Auch Astaxanthin wird im Zusammenhang mit der Sehfunktion untersucht. In einigen klinischen Studien wird es dabei mit anderen Carotinoiden wie Lutein und Zeaxanthin kombiniert.
Safran kennen Sie wahrscheinlich vor allem als Gewürz aus der Küche. Doch Safran enthält auch verschiedene natürliche Substanzen mit unter anderem antioxidativen Eigenschaften und wird ebenfalls im Zusammenhang mit der Sehfunktion untersucht. Die klinische Forschung konzentriert sich dabei unter anderem auf Menschen mit altersbedingter Makuladegeneration.
Gönnen Sie Ihren Augen eine Pause
Die Liste interessanter Substanzen wird schnell lang. Doch gesunde Augen hängen natürlich nicht von einem einzelnen Nährstoff ab. Das Gesamtbild zählt.
Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert verschiedene Nährstoffe, die für die Augen wichtig sind. Dazu gehören beispielsweise grünes Blattgemüse, Mais und Eier als Quellen für Lutein und Zeaxanthin sowie fettreicher Fisch für DHA. Einige der besprochenen Substanzen finden Sie auch in Nahrungsergänzungsmitteln für die Augen. Dabei können beispielsweise standardisierte Extrakte verwendet werden, damit die Menge bestimmter bioaktiver Substanzen bekannt und gleichbleibend ist.
Verbringen Sie viel Zeit vor einem Bildschirm? Dann gönnen Sie Ihren Augen regelmäßig eine Pause vom Sehen im Nahbereich. Schauen Sie zwischendurch in die Ferne, machen Sie Pausen, gehen Sie nach draußen und achten Sie auf eine angenehme Körperhaltung beim Arbeiten.
Ernährung und Lebensstil bleiben somit die Grundlage, gegebenenfalls ergänzt durch bestimmte Nährstoffe. Wir essen vielleicht nicht buchstäblich mit unseren Augen, aber unsere Augen essen durchaus mit uns mit.
Quelle
Orthoknowledge - Im Fokus: die Augengesundheit